Langstreckenläufer

Die Weltmeistermentalität eins zu eins auf die Pflege meiner Reben übertragen, das ist mein Anspruch!

Diesen Leitsatz habe ich mir vorgenommen, als ich den langgereiften Plan vom eigenen Weinprojekt mit dem Jahrgang 2018 in die Tat umgesetzt habe.

Wie immer bei solchen Leitsätzen besteht die Gefahr, dass es zur inhaltsleeren Floskel wird und Verwendung findet, weil es sich eben gerade gut anhört.

Auf dem ersten Blick haben Wettkampfsport und das Winzer-Handwerk zugegebenermaßen so ziemlich gar nichts miteinander zu tun. In meiner Zeit als Sportler habe ich unwahrscheinlich viele Erfahrungen und Erlebnisse sammeln dürfen. Über viele Jahre kam mir da mehr und mehr die Erkenntnis, dass sich die Mentalität zwischen Sport und dem Kreieren von Wein sehr ähnlich sind, wenn man denn seine Sache möglichst gut machen möchte. Im Sport habe ich die einzelnen Aspekte meiner Herangehensweise unter dem Begriff „Niemals-Aufgeben-Mentalität“ oder auch "Weltmeistermentalität" zusammengefasst.

Diese Mentalität, bzw. die einzelnen Aspekte sollen nun auch der "Leitfaden" für meine Herangehensweise beim Wein darstellen. Die Umsetzung dieser Aspekte zielt wiederum auf die Prämisse ab, Weine mit Langlebigkeit und Reifepotenzial entstehen zu lassen. Alle vorbereitenden Maßnahmen - sozusagen der "Traininingsprozess" - zielen darauf ab 

LANGSTRECKENLÄUFER 

entstehen zu lassen.

Ziele:

Genau wie beim Sport steht die komplette Ausrichtung unter dem klar definierten Ziel, welches ich bei jeder Arbeit im Kopf habe. Danach orientiert sich die Auswahl der Rebsorten, die Arbeiten im Weinberg und der Ausbaustil

Niederlagen und Rückschläge: 

Im Sport gibt es Erfolg immer nur dann, wenn man bereit ist, Niederlagen zu akzeptieren. Manchmal muss man um etwas Großes entstehen zu lassen, Risiken eingehen, die auch immer die Gefahr des Scheiterns beinhalten. Dementsprechend sind alle Maßnahmen nicht nach dem Sicherheitsaspekt ausgerichtet, sondern nach dem größtmöglichen Qualitätspotenzial. Der Verzicht von jeglichen Schönungen und die ausschließliche Durchführung von Spontangärung beinhalten beispielsweise immer auch die Gefahr des Scheiterns, welche ich jedoch sehr gerne akzeptiere

Lernbereitschaft:

Dazulernen ist einer der schönsten Beschäftigungen im Leben. Wenn man etwas richtig gut machen möchte, ist es die Grundvoraussetzung überhaupt. Zu denken, man weiß schon alles, ist der Anfang vom Ende. Von anderen Menschen, aber insbesondere auch durch das genaue Beobachten von den Reben zu lernen, ist von daher eine große Chance, die genutzt werden sollte!

Akribie und Perfektionsstreben:

Vorhandene Voraussetzungen mit höchstmöglicher Akribie zu perfektionieren kann eine große Faszination ausstrahlen. Klar ist aber auch, dass sowohl im Sport als auch im Winzer-Handwerk „Perfektion“ eine reine Utopie ist, der man mehr oder auch weniger nahe kommt.

Fleiß und Einfachheit:

Das schöne am Laufsport ist die Einfachheit. Auch wenn die Werbung manchmal etwas anderes verspricht, braucht es letztendlich nicht viel mehr als ein paar ordentliche Schuhe. Stattdessen zählen Fleiß und Mentalität, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Beim Thema Wein verhält sich das ganz ähnlich – um das qualitative Optimum heraus zu kitzeln braucht es kein Hightech. Stattdessen zählen Handarbeit und das intensive Auseinandersetzen mit den Reben. Der Fokus liegt dementsprechend bei meinem Weinprojekt auf traditionelle Methoden. So erfolgt die Kelterung beispielsweise mit einer alten mechanischen Korbpresse. Das Gipfeln der Reben wird mit einer großen Schere von Hand durchgeführt, um so einen möglichst späten Zeitpunkt realisieren zu können und somit die Beeren möglichst klein zu halten.

Geduld:

Wenn man Distanzen von weit über 200 Kilometern am Stück laufen möchte hat man ohne ein Maximum an Geduldfähigkeit schon vorab verloren. Diese Tugend ist auch für meine Weinstilistik elementar. Alle Maßnahmen sind auf Langfristigkeit ausgelegt, wobei der Faktor „Zeit“ wesentlich ist. Um die Weine zu „Langstreckenläufern“ werden zu lassen, wird mit Mostoxidation und einem langen Hefelager gearbeitet.

Demut:

Auch wenn man für ein möglichst gutes Resultat versucht an allen Stellschrauben zu drehen, kann man nicht alle Faktoren beeinflussen. Im Sport spielen Tagesform, Bedingungen und Rennverlauf eine wichtige Rolle. Beim Wein gibt die Natur den Takt vor! Als Winzer gilt es die jeweiligen Gegebenheiten zu akzeptieren und sich bestmöglich darauf einzustellen.

Wein?
Ja, aber anders!

Florian Reus - Wein vom Weltmeister

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